30. Rundbrief Brasilienprojekt

Winter 2021

Den neuen Rundbrief zum Brasilienprojekt gibt es hier zu lesen:
Spendenrundbrief als PDF

Herzliche Grüße, 
Katja Polnik

Spendenkonto: 
Brasilienprojekt St. Bonifatius, KSK Reutlingen, DE89 6405 0000 0000 9490 99



Wir gehen in die vierte Runde beim Schulwettbewerb!

Schon dreimal haben wir – mit eurer Unterstützung – für’s Gonzalinho-Projekt den Spardaimpuls-Preis für Schulpartnerschaften gewonnen und konnten das Preisgeld nach Brasilien schicken. Macht ihr wieder mit?

Viele Eltern der Gonzalinho-Kinder sind durch den Corona-Lockdown arbeitslos geworden. Da es in Brasilien kein soziales Netz gibt wie bei uns, sind sie gerade in diesen Krisenzeiten auf unsere Solidarität angewiesen. 

So funktioniert die Abstimmung:

Vom 8.11. bis 2. Dez., 16 Uhr, kann über eine SMS abgestimmt werden. Es dauert nur eine Minute, der SMS-Empfang ist kostenlos, eure Handynummern werden verschlüsselt, nicht für Werbung genutzt und gleich danach wieder gelöscht.

Hier ist der Link zu unserer Schule: https://www.spardaimpuls.de/profile/dietrich-bonhoeffer-gymnasium-metzingen/

  • In dem Feld „Ihre Handynummer“ gebt ihr eure Nummer ein und klickt auf „Codes anfordern“. An diese wird eine SMS mit drei Codes versendet, die ihr am besten kurz auf ein Papier notiert. 
  • Dann gebt ihr sie in die Felder „Codes einfügen“ ein und klickt auf „Abstimmen“. 
  • Wenn die Nachricht „Ihre drei Stimmen wurden gezählt“ erscheint, weiß man, dass man sich nicht vertippt hat. 

Die Codes sind für 48 Stunden gültig. Auch Verwandte und Freunde könnt ihr ganz einfach mobilisieren ohne ihnen Arbeit zu machen: Ihr ruft sie an und gebt auf eurem eigenen Handy oder PC ihre Handynummer ein. Dann bittet ihr sie, dass sie euch die Codes diktieren, die sie als SMS erhalten haben und und gebt sie bei euch ein. Es wäre toll, wenn jede/r von euch noch ein paar Leute zum Mitmachen gewinnen könnte. 
Danke für eure Unterstützung bei dieser Aktion!   

Viele Grüße, 
Katja Polnik

Spendenflohmarkt des DBG-Metzingen

>> Annahme von Marken-Kleidung, Schuhen und Büchern
 Diese werden von engagierten Schüler:innen in Kisten verpackt und an eine Online-Verkaufs-plattform geschickt. Die Kleidung muss sauber und in gutem Zustand sein. Nicht angekauft werden billige Eigenmarken von Disco-untern etc., Bücher werden nur mit scanbarem Barcode angenommen.

Wir unterstützen unser indigenen Parter*innen 
im Kampf gegen Territoriumsenteignungen
mit einem globalen, offenen Brief. 


Sonderrundbrief: Chiquitanos in Brasilia (August 2021)

Unsere Partner*innen nehmen teil am größten indigenen Protest der Geschichte Brasiliens

Liebe Unterstützer*innen  des Gonzalinho-Projekts! 
 

unsere Partner/innen vom Stamm der Chiquitanos nehmen seit dem 21.8. in Brasilia am größten indigenen Protest der Geschichte Brasiliens teil. Über 7000 Indigene von vielen verschiedenen Stämmen campieren vor dem Regierungssitz in Zelten um gegen folgende Gesetzesvorhaben und Bauprojekte zu protestieren, die eine sehr konkrete Bedrohung für indigene Territorien darstellen:

1.) Das Gesetzesvorhaben "PL 490" soll Bergbau, Abholzung, industrielle Landwirtschaft und andere Projekte, „die dem relevanten öffentlichen Interesse des Landes dienen“ in indigenen Schutzgebieten erlauben - und zwar ohne dass es der Zustimmung der lokalen Volksgruppen bedarf.

2.) Die Gesetzesinitiative "PL 2633", wurde bereits von der Abgeordnetenkammer mehrheitlich verabschiedet. Sollte auch der Senat zustimmen, wäre die nachträgliche Legalisierung von Landraub erlaubt. Dies würde einen Teil der kriminellen Abholzung des Regenwalds aus der Vergangenheit mit einem Schlag für rechtmäßig erklären. 

3.) Brasiliens Oberstes Gericht will am kommenden Mittwoch eine Entscheidung über die sogenannte Regel "Marco Temporal" fällen. Dabei geht es um die Frage, ob Indigene nur dann ein Gebiet für sich beanspruchen dürfen, wenn sie bereits vor 1988 (Geburtsstunde der brasilianischen Verfassung nach dem Ende der Militärdiktatur) darauf gelebt haben. Dies nachzuweisen ist in der Praxis jedoch schwierig und oft wurden Indigene vor langer Zeit schon von ihrem ursprünglichen Gebiet vertrieben. Erst im Zuge der neuen Indigenen-Politik Brasiliens nach der Diktatur konnten sie mit Unterstützung des Staates erneut auf ihrem angestammten Land siedeln. So war es auch bei den Chiquitanos im Dorf Acorizal.

4.) Über eine Länge von 1000 Kilometern soll eine
Süd-Nord-Eisenbahnlinie durch den Regenwald gebaut werden um die großen Soja-Anbaugebiete in Mato Grosso mit dem Rio Amazonas zu verbinden. Ziel ist es, die Soja-Erträge aus den Monokulturen schneller und günstiger als bisher an die Amazonas-Häfen zu transportieren, von wo aus sie anschließend auf Schiffen nach China und Europa exportiert werden. Soja ist wichtiger Bestandteil des Tierfutters auch in Deutschland. Davon betroffen sind weite Teile der Kayapó-Reservate. Seit einem Jahr sorgen die Kayapó für Aufsehen, indem sie z.B. die Bundesstraße 163 blockierten, so dass dort der Verkehr der unzähligen Soja-Transporter zeitweise zum Erliegen kam.  

Mit 1000 Euro aus den Preisgeldern gewonnener Wettbewerbe haben wir die Fahrt von fünf unserer Partner/innen der Chiquitanos zum Protestcamp in der Hauptstadt unterstützt.

Wer sich weiter informieren möchte, kann das z.B. über die folgenden Links tun:



Herzliche Grüße, 
Katja Polnik

Spendenrundbrief als PDF

Offener Brief zur Unterstützung der indigenen Völker 



Spendenkonto: Brasilienprojekt St. Bonifatius, KSK Reutlingen, DE89 6405 0000 0000 9490 99


Nur noch wenige Plätze frei beim Capoeira-Workshop!


Der Capoeira-Lehrer Marquinho vom Capoeira Reutlingen/Tübingen und wir vom ProGo-Verein freuen uns, wenn ihr bei unserem Capoiera-Workshop dabei seid!!! 
Der Capoeira-Workshop I ist schon komplett ausgebucht, aber für den Capoeira-Workshop II gibt es noch einige wenige freie Plätze!
Capoeira ist eine brasilianische Sportart, die auf ästhetische Weise Kampf und Tanz miteinander verbindet. Eine Vielzahl von Elementen kennzeichnet Capoeira: Kampf und Tanz, Energie und Kraft, Selbstbewusstsein und Ästhetik, Ritual und Spontanität. Für Jugendliche bietet Capoeira eine gute Möglichkeit Kraft, Koordination und Rhythmusgefühl auf spielerische Art zu schulen. Kommt und lasst euch für diesen etwas anderen Sport begeistern!

Termin: Donnerstag, 5. Aug. 16:00-17:30 Uhr
Treffpunkt: Bindhof Metzingen-Neuhausen
Gebühr: 5€

Anmeldung und weitere Infos gibt's unter: https://metzingen.ferienprogramm-online.de/ 

 


29. Spendenrundbrief

Sommer 2021

 Liebe Untertützer*innen  des Gonzalinho-Projekts! 
 

Unser Film „Agua“: Seit dem letzten Rundbrief im Dezember 2020 ist mehr passiert, als wir auf drei oder vier Seiten erzählen können, deshalb haben wir einen 30-minütigen Film gedreht, der alles, was wir hier jetzt nur kurz anreißen, mit Original-Videos aus Brasilien zeigt. Die Schüler *innen der Brasilien-AG sprechen die Hintergrundtexte und führen die Interviews per Videokonferenz mit den brasilianischen Partner*innen. Gerne verschicken wir den Film auf einem USB-Stick per Post, schickt uns dazu bitte an katja.polnik@gmx.de eine Mail. Ihr findet ihn auch auf der ersten Seite unserer Homepage und über den Link https://youtu.be/z4d6HQqpwjM.

Der Hühnerstall: Im letzten Brief haben wir von dem Vorhaben des Projekt-Teams erzählt, einen Hühnerstall zu bauen und den schon bestehenden Gemeinschaftsgarten zu erweitern, um ihn zu einem Stadtteilprojekt werden zu lassen. Beides konnte in den letzten Monaten realisiert werden. Der Hühnerstall samt Außengehege ist gebaut  und wird von über 100 Hühnern bewohnt, die inzwischen begonnen haben, Eier zu legen. Projektkinder und ehemalige Gonzalinho-Jugendliche teilen sich die Versorgung der Hühner mit den Familien des Viertels: Vormittags werden sie ins Außengehege gelassen, der Stall wird geputzt, Futter und Wasser erneuert und am Abend kommt jemand, um sie wieder hineinzubringen.

Der Stadtteilgarten: Wir haben jetzt viermal so viel Beete, um Gemüse anzubauen. Unsere Partner*innen von der Landlosenbewegung MST haben die Setzlinge und Samen gebracht und einen Monat vor dem Einpflanzen die Erde mit Hühnermist gedüngt. Dadurch wurde mithilfe ihres Knowhows der Boden so fruchtbar, dass die ersten Tomaten, Karotten, Zwiebeln und Rucola-Pflanzen im Laufe weniger Wochen erntereif waren. In einem gemeinsamen Arbeitseinsatz mit Eltern aus der Nachbarschaft hat das Team die Beete zum Schutz vor der starken Sonneneinstrahlung mit einem Netz überspannt. Das war nicht billig und mühsame Arbeit, hat sich aber gelohnt. Der Garten sieht jetzt äußerst professionell aus und der Ertrag ist schon beachtlich. Bei der neusten Corona-Solidaritätsaktion, bei der wieder Warenkörbe an die Gonzalinho-Familien verteilt wurden, waren schon ein paar eigene Pflanzen dabei. Manche Eltern haben auch Setzlinge mitgenommen, um sie im eigenen Garten anzupflanzen. Im Jahr 2020 sind die Lebensmittelpreise in Brasilien bei vielen Grundnahrungsmitteln bis zu 200% gestiegen. Es ist spürbar, wie dadurch die Notwendigkeit, aber auch die Bereitschaft, selber Gemüse anzupflanzen oder sich bei der Pflege der Projekt-Hühner zu engagieren, gewachsen ist.

Ein neuer Brunnen: Der vier Meter tiefe Brunnen, der 2013 noch von Hand gegraben worden war und der uns bisher gut gedient hatte, ist durch die zu geringen Regenfälle und die Waldbrände von 2020 ausgetrocknet. Ein Drittel des Pantanals ist letztes Jahr abgebrannt und der Grundwasserspiegel ist in diesem weltgrößten Süßwasser-Sumpfgebiet so weit abgesunken wie noch nie. Da die Preise für Leitungswasser immer mehr steigen, kann der Gemeinschaftsgarten nicht langfristig mit gekauftem Wasser bewirtschaftet werden, deshalb haben wir 2000 Euro in einen neuen Brunnen investiert. Er wurde mit schwerem Gerät gebohrt und ist jetzt 48 Meter tief. Bei der ersten, weniger tiefen Bohrung stieß man zwar schon auf Wasser, aber es kam viel Sand mit herauf. Jetzt ist das zutage geförderte Wasser kristallklar und hat Trinkwasserqualität. Aus den regelmäßigen Spenden hätten wir all dies natürlich nicht finanzieren können, weil unsere Spendeneinnahmen immer gerade so den Alltagsbetrieb im Projekt abdecken, aber glücklicherweise hatten wir 10.000 Euro aus der Aktion „bwirkt“ zur Verfügung. Dies ist ein Förderpreis, um den wir uns bei der „Stiftung Entwicklungszusammenarbeit“ (SEZ) beworben haben. Das Geld war zweckgebunden zu verwenden, um Partner*innen im globalen Süden bei Maßnahmen zu unterstützen, die die Pandemie-Folgen abfedern.

Der verschwundene Fluss: Sehr beschäftigt hat uns von Januar bis April der Prozess um den Rio Taruma im Dorf Acorizal bei unseren indigenen Partner*innen vom Stamm der Chiquitanos. Die Hintergründe werden in der zweiten Hälfte unseres Films thematisiert und in der Presse öffentlich gemacht.

Spendenrundbrief als PDF

Metzinger Schüler leisten Nothilfe in Brasilien

Im GEA vom 14. Mai. wurde über unsere Solidaritätsaktionen in Zeiten von Corona berichtet.  Ihr könnt den Artikel auf der Website des GEA nachlesen.

Neues Video 
der Brasilien AG

Mit diesem Video geht die Brasilien AG ihrem aktuellen thematischen Fokus nach: "Wasser - global"

  • Ein neuer Brunnen muss gebohrt werden für das  Gonçalinho Projekt" - er ist sieben mal tiefer als der alte!  
  • Bericht über das Umweltverbrechen am Fluss Tarumã  im Stammesgebiet der Chiquitanos - unsere Partner im Jugendaustausch.


Übrigens: Das Video hat Untertitel auf Portugiesisch! 

Fluss Taruma

"Ohne den Fluss stirbt unser Dorf"

Metzinger Brasilienpartnerschaft unterstützt Ermittlungsverfahren gegen Umweltverbrechen im Stammesgebiet ihrer indigenen Partner (30.1.2021)

> Pressemitteilung im PDF Format

Die Chiquitanos im Dorf Acorizal an der brasilianisch-bolivianischen Grenze, mit denen die Jugendlichen der Bonifatiusgemeinde und des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums eine jahrelange Partnerschaft verbindet, sehen von einem auf den anderen Tag ihre Lebensgrundlage bedroht. „Bei unseren letzten drei Besuchen im Dorf der Chiquitanos haben wir noch mit unseren Partnern zusammen im Rio Tarumã gebadet, der durch ihr Dorf fließt. Er war so tief, dass die Jugendlichen von 5 Meter hohen Urwaldbäumen ins Wasser springen konnten“, erzählt die Leiterin der Partnerschaft, Katja Polnik. 


Mitte Januar haben sie einen Hilferuf erhalten, dass plötzlich nur noch ein bisschen schlammiges Wasser übrig ist und der Rest des Flusses einfach verschwunden ist. Die Dorfbewohner, von denen schon mehrere im Rahmen des deutsch-brasilianischen Jugendaustausches in Metzinger Gastfamilien waren, wussten zwei Wochen lang nicht einmal, was die Ursache für das plötzliche Versiegen des Wassers ist. Der Cacique („Häuptling“) José Arruda erklärt den deutschen Partnern, warum: „Wenn wir den Fluss aufwärts gehen um nach der Ursache zu forschen, betreten wir die Ländereien der benachbarten Fazendeiros, die entweder Viehzüchter oder Plantagenbesitzer von Soja-Monokulturen sind. Die fragen nicht freundlich, was wir für ein Anliegen haben, wenn sie uns sehen“. 

Zwar haben sie sich an die Indigenen-Behörde gewandt, die jedoch ist vom Präsidenten Bolsonaro dem Agrarministerium unterstellt worden. Wenn die Beamten Straftaten von Holzfällern, 
Goldsuchern oder Großgrundbesitzern verfolgen, werden sie jetzt häufig „von oben“ zurückgepfiffen.

„Es ist gefährlich, sich mit denen anzulegen, die sich auf Kosten der Umwelt und der Indigenen illegal bereichern“ sagt Suellen, die brasilianische Koordinatorin der Partnerschaft und Leiterin des Kinderbetreuungsprojekts „Gonzalinho“. Deshalb hat José Arruda sich nicht nur an die brasilianischen Autoritäten, sondern zugleich an die deutschen Partner gewandt. Glücklicherweise hatten diese schon im Laufe des letzten Jahres damit begonnen,

ihre städtischen Partner vom Gonzalinhoprojekt in Kontakt mit den Chiquitanos zu bringen um die um die Pandemie-Solidaritätsaktionen besser koordinieren zu können. So konnte jetzt das Gonzalinho-Team aus Cáceres eine Videokonferenz organisieren, an der viele erfahrene Menschenrechtsaktivist* innen teilnahmen, so dass wenige Tage später eine juristisch fundierte Klageschrift  fertig war, die das Umweltverbrechen der Indigenenbehörde, dem Umweltamt und der Bundespolizei darlegte. Letztere reagierte sofort und schickte eine Militärpolizei-Streife ins Stammesgebiet um mit Vertretern des Dorfes den Fluss aufwärts zu fahren.
 

An dieser Stelle wurde der Fluss aufgestaut und durch Erdarbeiten, verbunden mit massiven illegalen Waldabholzungen, umgelenkt. Die Polizei beschlagnahmte vor Ort mehrere Bagger und Lastwagen und eröffnete ein Ermittlungsverfahren. Das ist schon ein erster großer Erfolg – alle Beteiligten und mit 
Sicherheit auch die Verantwortlichen für diese Straftat hatten damit gerechnet, dass erstmal monatelang nichts passiert. 
Dennoch befürchten die Chiquitanos, dass es noch ein langer und teurer Prozess wird, bis der Fluss wieder in seiner ursprünglichen Qualität und Größe in seinem Flussbett fließt. „Wir wissen nicht, wie lange es dauert, bis der Rio Tarumã wieder den Fischbestand hat, der für uns lebensnotwendig ist. Und sicherheitshalber baden wir auch nicht darin, bis eine Wasseruntersuchung uns bestätigt hat, dass er nicht durch 
irgendwelche Gifte belastet ist“, schreiben die Chiquitano-Jugendlichen ihren Metzinger Partnern, mit denen sie beim letzten Besuch zusammen gefischt, die Fische gegessen und im Fluss gespielt haben.  

Dieser Zeitungsartikel, den die Metzinger Projektpartner ihren Freunden schicken werden, soll einen Schutz für sie darstellen: „Es ist nicht ganz so leicht, die Rechte von jemandem zu ignorieren, der Freunde im Ausland hat, die das Geschehen aufmerksam verfolgen“, meint die 

deutsche Projektleiterin, die in den 20 Jahren der Partnerschaft schon öfter erlebt hat, dass die Bedeutung dieses Austausches weit darüber hinausgeht, eine andere Kultur und Lebensweise kennenzulernen. Da ihre Austausch-Partner zu den Bevölkerungsgruppen mit dem geringsten Zugang zu Ressourcen, Bildung und politischem Einfluss gehören, wird den Jugendlichen bei ihren Begegnungen immer wieder deutlich, wie stark die Lebensgrundlagen der Kleinbauern, Fischer und Indigenen durch politische und wirtschaftliche Entscheidungen geprägt werden. Deshalb ist es immer mit politischem Engagement verbunden, sich für den Schutz dieser Lebensgrundlagen wie Zugang zu Wasser und Land einzusetzen. Dies zu tun ist ein Teil der Arbeit der Metzinger Brasilien-AG. Vor vier Wochen erst haben die Jugendlichen und ihre Lehrerinnen mit diesem Anliegen den ersten Preis beim entwicklungspolitischen Schulwettbewerb gewonnen (wir berichteten), der von Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller in einer live gestreamten Veranstaltung unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier verliehen wurde. Die Lehrerinnen sind sich sicher, dass die Erwähnung dieser Namen und Ämter in Brasilien nicht ganz wirkungslos bleibt, wenn das Menschenrechtszentrum in Cáceres, das sich der Sache „Rio Tarumã“ angenommen hat, in den kommenden Monaten den Prozess begleitet. Der nächste Schritt nach der erfolgreichen Klageschrift und dem ersten Polizeieinsatz ist eine Presseerklärung mit den Unterschriften vieler brasilianischer und einiger deutscher NGOs (u.a. der „Gesellschaft für bedrohte Völker“, die mit den Chiquitanos einen Dokumentarfilm über diesen Wasserkonflikt drehen wird). Klar ist für die Metzinger Partner, dass der Prozess gegen die Verantwortlichen für dieses Umweltverbrechen an den finanziellen Mitteln für das Anwaltshonorar nicht scheitern soll.
Wer für dieses Anliegen spenden möchte, möge bitte auf der Überweisung als Verwendungszweck „Rio Taruma“ angeben.

> Solidaritätsschreiben der brasilianischen Partner (PDF, auf Portugiesisch) 

Polizeifoto der Flussumleitung

Polizeifoto der Flussumleitung


 Der Fluss ist verschlammt 

Beim Fischen 

Wissen, dass die Spende was bewirkt

Für Spendenwillige bieten sich zig wohltätige Organisationen an, da kann die Wahl schwerfallen. Für die Firma Rümmelin und ihre Mitarbeitenden stand schnell fest, dass sie mit dem ungenützten Budget der Weihnachtsfeier den Kinderhort „Gonçalinho Projekt“ in Brasilien unterstützen wollen. Denn ein Mitarbeiter der Firma, Jean Nascimento, kommt selbst aus Cáceres und hatte vor seiner Auswanderung nach Deutschland im Projekt als Freiwilliger Musikworkshops gegeben und während des "Heimaturlaubs" den Geräteschuppen auf dem Gelände gebaut. Was Jean vom Kinderhort, in dem vormittags und nachmittags Kinder eines armen Stadtviertels betreut werden, erzählt hat, hat die Kolleg*innen gleich überzeugt.
 "Es ist gut zu wissen, dass das Geld dort ankommt, wo es gebraucht wird und einen persönlichen Bezug zu einem wohltätigen Projekt zu haben, obwohl es auf der anderen Seite der Welt ist.", sagt Klaus Rümmelin, Geschäftsführer der Firma Rümmelin. 


Katja Polnik (links), Projektkoordinatorin des Gonçalinho Projekts, und Ulrike Fezer (rechts), Schulleiterin des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums freuen sich über die Spende, die Klaus Rümmelin überreicht. 

Die Spende der Firma Rümelin in Höhe von 500€ und die private Spende der Familie Rümmelin (ebenfalls 500€) werden gebraucht: Brasilien und auch die Stadt Cáceres sind besonders stark von der Corona-Pandemie betroffen und können nicht auf ein gut ausgebautes System an öffentlichen Krankenhäusern bauen wie Deutschland. Hinzu kommen die sozial-ökonomischen Nöte, die durch die Corona-Pandemie hervorgerufen wurden und die Familien der Kinder, die das Gonçalinho Projekt besuchen, hart treffen: Viele der Eltern hatten vor der Pandemie einen oder mehrere Jobs im informellen Sektor, den sie nun verloren haben. Hier hilft das Team des Kinderprojekts: Durch Spendenaktionen am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium, private Spenden aus Metzingen und aus Cáceres konnten die Mitarbeiterinnen des Projektes Grundnahrungsmittel wie Bohnen, Reis und Gemüse an die Familien verteilen. Darüber hinaus konnten weitere Solidaritätsaktionen realisiert werden: Es konnten Saatgut und Materialien für den Bau eines Hühnerstalls durch Spenden und den Verkauf von Alltagsmasken angeschafft werden. Durch diese Aktionen können die Familien und Mitarbeitenden des Projektes handlungsfähig bleiben und der Zukunft, trotz der Pandemie, positiv entgegenblicken.

Vielen Dank an die Firma Rümmelin Sanitär - Heizung - Blech GmbH für ihre großzügige Spende!

Der erste Preis für die Brasilien-AG des 
Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums

Kategorie 4, 1. Preis Preisverleihung mit Dr. Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Virtuelle Preisverleihung des 1. Platzes mit Dr. Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Gewinner Kategorie 4)

 

Am vergangenen Donnerstag, 10.12.20, fand die Preisverleihung zum Schulwettbewerb zur Entwicklungspolitik mit Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller in einer live gestreamten Veranstaltung unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier statt. Zu diesem Zeitpunkt war die genaue Platzierung der nominierten Preisträger noch ein Geheimnis, das mit viel Spannung im Laufe dieses Events vom live zugeschalteten Publikum erwartet wurde. Der Jubel war groß, als die Schülerinnen der Brasilien-AG, die gespannt vor der Leinwand saßen, erfuhren, dass sie mit dem ersten Preis ausgezeichnet wurden, der mit einem Gewinn von 2000 Euro dotiert ist.
„Wir freuen uns sehr über diesen Erfolg und die Würdigung des Engagements unserer Schülerinnen und Schüler der Brasilien-AG. Das motiviert natürlich umso mehr dazu, die Partnerschaft mit dem Gonzalinho-Projekt in Brasilien, die wir seit 20 Jahren als Schulgemeinschaft tragen, auch in Zukunft fortzuführen“, so Christian Schulz, kommissarischer Schulleiter am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium.
Der Wettbewerbsbeitrag, mit dem sich unsere Schule um diesen Preis beworben hat, ist das 20-minütige Video „Tomaten für Kinder statt Soja für Rinder“. Das Filmmaterial zu diesem Beitrag haben die Schüler*innen der AG während der verschiedenen Austauschbegegnungen mit ihren brasilianischen Partnern gedreht. In mehreren Wochenend-Seminaren haben sie das Material geschnitten, Untertitel und Überschriften getextet und Musik unterlegt. Der inhaltliche Fokus des Videos liegt auf dem Problem des übermäßigen globalen Konsums von Billigfleisch. Mit anschaulichen Beispielen und Interviews zeigen die Jugendlichen im Film die damit verbundenen Folgen in Mato Grosso, der Region ihrer brasilianischen Partner*innen, auf: Die Ausweitung von Monokulturen für den Export von Viehfutter, die Umweltzerstörung durch Agrargifte, die Gefährdung kleinbäuerlicher Landwirtschaft und indigener Lebensräume. Die Jury begründete ihre Auszeichnung der Metzinger Schüler*innen damit, dass es sich um ein beispielhaftes Projekt für partnerschaftliche Zusammenarbeit und Auseinandersetzung mit eigenen und fremden Lebenswelten handelt. Aus der ganzheitlichen Betrachtung resultiere die Möglichkeit eines Perspektivwechsels und die Erkenntnis, dass das eigene unbedachte Konsumverhalten starke soziale und ökologische Folgen für Menschen weltweit hat. Es wurde demonstriert, dass der Aufkauf von Ländereien durch Großkonzerne nicht nur Subsistenzwirtschaften zerstört, sondern auch zur Abholzung von Urwald und starkem Einsatz von Pestiziden führt, was verheerende Folgen für Mensch und Umwelt im Globalen Süden hat. Dadurch, dass das Projekt als Langzeitprojekt angelegt ist, lässt es eine intensive Auseinandersetzung mit dem Themenschwerpunkt zu und fördert eine Begegnung auf Augenhöhe. Da der Titel ein Eye-Catcher ist, bietet er Gesprächsstoff, macht neugierig und erhöht somit den Multiplikatoreneffekt. Die Jury beeindruckte der Beitrag, der aus einer beispielhaften partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit Akteuren im Globalen Süden heraus entstand. Dabei entwickelten Schülerinnen und Schüler gemeinsam Lösungen und Handlungsoptionen für beide Seiten.
Auch dass die Partnerschaft zwischen den Jugendlichen aus Metzingen und Brasilien gemeinsam mit außerschulischen Kooperationspartnern getragen wird, erleben alle Beteiligten als bereichernd: So hat die katholische Bonifatius-Gemeinde die Trägerschaft der zwei FSJ-Einsatzstellen im Kinderprojekt Gonzalinho inne und der Weltladen Metzingen ist bei jedem Austauschbesuch eine Anlaufstelle für globales Lernen.  
Im Vorfeld der Preisverleihung kam ein professionelles Filmteam aus Berlin an die Metzinger Schule um ein 4-minütiges Video über die Arbeit der Brasilien-AG zu drehen, das am Donnerstag im Livestream gezeigt wurde. „Ich war beeindruckt, wie souverän die Schüler und Schülerinnen der AG in den Interviews die komplexen politischen Inhalte unseres Films in Worte fassen konnten“, sagte ihre Lehrerin Katja Polnik im Anschluss. Sie ist überzeugt, dass die Jugendlichen das, was sie bei den Dreharbeiten gelernt haben, nicht mehr vergessen werden, und nennt als Beispiel die Antwort eines brasilianischen Aktivisten der Landlosen-Bewegung MST auf die Schüler-Frage, wie es sich denn jemand mit wenig Geld leisten solle, nicht das Discounter-Billigfleisch zu kaufen: „Dann müsste man wahrscheinlich tatsächlich etwas weniger Fleisch essen und dafür besseres! Merk dir: das Soja, das von hier zu euch exportiert wird, wird hier mit chemischen Stoffen behandelt, die bei euch verboten sind, trotzdem wird es in Deutschland an eure Tiere verfüttert.“ 
Obwohl der Film die Schattenseiten der globalen Nahrungsmittelindustrie thematisiert, endet er mit optimistischen Bildern aus dem Kinderprojekt: Die brasilianischen Kinder legen zusammen mit den Schülerinnen und Schülern des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums Gemüse-Beete an und die Kinder zeigen die vielen Tomaten-Setzlinge, die sie neu eingesetzt und mit Wasser aus dem Brunnen gegossen haben. Auf die Frage, wer von ihnen auch am Wochenende bereit ist, ins Projekt zu kommen um die Pflanzen zu gießen, ist ein vielstimmiges „eu“ („ich“ auf Portugiesisch) zu hören.



Zum Bericht des SWR Aktuell BW

Zum Bericht der Südwest-Presse (9.12.20)

Preisverleihung mit Kamerateam

Spendenrundbriefe

30. Rundbrief  Winter 2021

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Sonderrundbrief August 2021 (Chiquitanos in Brasília)

Created with Sketch.

Liebe Unterstützer*innen  des Gonzalinho-Projekts! 
 

unsere Partner/innen vom Stamm der Chiquitanos nehmen seit dem 21.8. in Brasilia am größten indigenen Protest der Geschichte Brasiliens teil. Über 7000 Indigene von vielen verschiedenen Stämmen campieren vor dem Regierungssitz in Zelten um gegen folgende Gesetzesvorhaben und Bauprojekte zu protestieren, die eine sehr konkrete Bedrohung für indigene Territorien darstellen:

1.) Das Gesetzesvorhaben "PL 490" soll Bergbau, Abholzung, industrielle Landwirtschaft und andere Projekte, „die dem relevanten öffentlichen Interesse des Landes dienen“ in indigenen Schutzgebieten erlauben - und zwar ohne dass es der Zustimmung der lokalen Volksgruppen bedarf.

2.) Die Gesetzesinitiative "PL 2633", wurde bereits von der Abgeordnetenkammer mehrheitlich verabschiedet. Sollte auch der Senat zustimmen, wäre die nachträgliche Legalisierung von Landraub erlaubt. Dies würde einen Teil der kriminellen Abholzung des Regenwalds aus der Vergangenheit mit einem Schlag für rechtmäßig erklären. 

3.) Brasiliens Oberstes Gericht will am kommenden Mittwoch eine Entscheidung über die sogenannte Regel "Marco Temporal" fällen. Dabei geht es um die Frage, ob Indigene nur dann ein Gebiet für sich beanspruchen dürfen, wenn sie bereits vor 1988 (Geburtsstunde der brasilianischen Verfassung nach dem Ende der Militärdiktatur) darauf gelebt haben. Dies nachzuweisen ist in der Praxis jedoch schwierig und oft wurden Indigene vor langer Zeit schon von ihrem ursprünglichen Gebiet vertrieben. Erst im Zuge der neuen Indigenen-Politik Brasiliens nach der Diktatur konnten sie mit Unterstützung des Staates erneut auf ihrem angestammten Land siedeln. So war es auch bei den Chiquitanos im Dorf Acorizal.

4.) Über eine Länge von 1000 Kilometern soll eine
Süd-Nord-Eisenbahnlinie durch den Regenwald gebaut werden um die großen Soja-Anbaugebiete in Mato Grosso mit dem Rio Amazonas zu verbinden. Ziel ist es, die Soja-Erträge aus den Monokulturen schneller und günstiger als bisher an die Amazonas-Häfen zu transportieren, von wo aus sie anschließend auf Schiffen nach China und Europa exportiert werden. Soja ist wichtiger Bestandteil des Tierfutters auch in Deutschland. Davon betroffen sind weite Teile der Kayapó-Reservate. Seit einem Jahr sorgen die Kayapó für Aufsehen, indem sie z.B. die Bundesstraße 163 blockierten, so dass dort der Verkehr der unzähligen Soja-Transporter zeitweise zum Erliegen kam.  

Mit 1000 Euro aus den Preisgeldern gewonnener Wettbewerbe haben wir die Fahrt von fünf unserer Partner/innen der Chiquitanos zum Protestcamp in der Hauptstadt unterstützt.

Wer sich weiter informieren möchte, kann das z.B. über die folgenden Links tun:



Herzliche Grüße, 
Katja Polnik

Spendenrundbrief als PDF

Offener Brief zur Unterstützung der indigenen Völker 



Spendenkonto: Brasilienprojekt St. Bonifatius, KSK Reutlingen, DE89 6405 0000 0000 9490 99

29. Rundbrief  Sommer 2021

Created with Sketch.

 Liebe Unterstützer*innen  des Gonzalinho-Projekts! 
 

Unser Film „Agua“: Seit dem letzten Rundbrief im Dezember 2020 ist mehr passiert, als wir auf drei oder vier Seiten erzählen können, deshalb haben wir einen 30-minütigen Film gedreht, der alles, was wir hier jetzt nur kurz anreißen, mit Original-Videos aus Brasilien zeigt. Die Schüler *innen der Brasilien-AG sprechen die Hintergrundtexte und führen die Interviews per Videokonferenz mit den brasilianischen Partner*innen. Gerne verschicken wir den Film auf einem USB-Stick per Post, schickt uns dazu bitte an katja.polnik@gmx.de eine Mail. Ihr findet ihn auch auf der ersten Seite unserer Homepage und über den Link https://youtu.be/z4d6HQqpwjM.

Der Hühnerstall: Im letzten Brief haben wir von dem Vorhaben des Projekt-Teams erzählt, einen Hühnerstall zu bauen und den schon bestehenden Gemeinschaftsgarten zu erweitern, um ihn zu einem Stadtteilprojekt werden zu lassen. Beides konnte in den letzten Monaten realisiert werden. Der Hühnerstall samt Außengehege ist gebaut  und wird von über 100 Hühnern bewohnt, die inzwischen begonnen haben, Eier zu legen. Projektkinder und ehemalige Gonzalinho-Jugendliche teilen sich die Versorgung der Hühner mit den Familien des Viertels: Vormittags werden sie ins Außengehege gelassen, der Stall wird geputzt, Futter und Wasser erneuert und am Abend kommt jemand, um sie wieder hineinzubringen.

Der Stadtteilgarten: Wir haben jetzt viermal so viel Beete, um Gemüse anzubauen. Unsere Partner*innen von der Landlosenbewegung MST haben die Setzlinge und Samen gebracht und einen Monat vor dem Einpflanzen die Erde mit Hühnermist gedüngt. Dadurch wurde mithilfe ihres Knowhows der Boden so fruchtbar, dass die ersten Tomaten, Karotten, Zwiebeln und Rucola-Pflanzen im Laufe weniger Wochen erntereif waren. In einem gemeinsamen Arbeitseinsatz mit Eltern aus der Nachbarschaft hat das Team die Beete zum Schutz vor der starken Sonneneinstrahlung mit einem Netz überspannt. Das war nicht billig und mühsame Arbeit, hat sich aber gelohnt. Der Garten sieht jetzt äußerst professionell aus und der Ertrag ist schon beachtlich. Bei der neusten Corona-Solidaritätsaktion, bei der wieder Warenkörbe an die Gonzalinho-Familien verteilt wurden, waren schon ein paar eigene Pflanzen dabei. Manche Eltern haben auch Setzlinge mitgenommen, um sie im eigenen Garten anzupflanzen. Im Jahr 2020 sind die Lebensmittelpreise in Brasilien bei vielen Grundnahrungsmitteln bis zu 200% gestiegen. Es ist spürbar, wie dadurch die Notwendigkeit, aber auch die Bereitschaft, selber Gemüse anzupflanzen oder sich bei der Pflege der Projekt-Hühner zu engagieren, gewachsen ist.

Ein neuer Brunnen: Der vier Meter tiefe Brunnen, der 2013 noch von Hand gegraben worden war und der uns bisher gut gedient hatte, ist durch die zu geringen Regenfälle und die Waldbrände von 2020 ausgetrocknet. Ein Drittel des Pantanals ist letztes Jahr abgebrannt und der Grundwasserspiegel ist in diesem weltgrößten Süßwasser-Sumpfgebiet so weit abgesunken wie noch nie. Da die Preise für Leitungswasser immer mehr steigen, kann der Gemeinschaftsgarten nicht langfristig mit gekauftem Wasser bewirtschaftet werden, deshalb haben wir 2000 Euro in einen neuen Brunnen investiert. Er wurde mit schwerem Gerät gebohrt und ist jetzt 48 Meter tief. Bei der ersten, weniger tiefen Bohrung stieß man zwar schon auf Wasser, aber es kam viel Sand mit herauf. Jetzt ist das zutage geförderte Wasser kristallklar und hat Trinkwasserqualität. Aus den regelmäßigen Spenden hätten wir all dies natürlich nicht finanzieren können, weil unsere Spendeneinnahmen immer gerade so den Alltagsbetrieb im Projekt abdecken, aber glücklicherweise hatten wir 10.000 Euro aus der Aktion „bwirkt“ zur Verfügung. Dies ist ein Förderpreis, um den wir uns bei der „Stiftung Entwicklungszusammenarbeit“ (SEZ) beworben haben. Das Geld war zweckgebunden zu verwenden, um Partner*innen im globalen Süden bei Maßnahmen zu unterstützen, die die Pandemie-Folgen abfedern.

Der verschwundene Fluss: Sehr beschäftigt hat uns von Januar bis April der Prozess um den Rio Taruma im Dorf Acorizal bei unseren indigenen Partner*innen vom Stamm der Chiquitanos. Die Hintergründe werden in der zweiten Hälfte unseres Films thematisiert und in der Presse öffentlich gemacht.

Spendenrundbrief als PDF

28. Rundbrief  Winter 2020

Created with Sketch.

Liebe Unterstützer*innen des Goncalinho-Projekts!

Unsere Corona-Solidaritätsaktionen gehen weiter. Während unser Fokus in der ersten Welle, die uns alle unvorbereitet getroffen hat, auf reiner Nothilfe lagen, haben wir im Sommer begonnen, nachhaltiger zu denken und mit unseren Partner*innen zusammen „Hilfe zur Selbsthilfe“- Strategien zu überlegen. Da wir in diesem Jahr drei hochdotierte Förderpreise gewonnen haben, haben wir zusätzlich zu euren Spenden, mit denen die Löhne der Erzieherinnen bezahlt werden, noch 12 000 Euro zur Verfügung um unsere nächsten Pläne umzusetzen. Unser Freund Sanzio, der 6 Jahre lang Leiter des Goncalinho-Kinderhauses war, hat das Motto dafür in ein Bild gefasst: „Gib ihnen nicht einen Fisch, sondern eine Angel und lehre sie angeln“. Da er dem Projekt und unserer Partnerschaft weiterhin verbunden ist und inzwischen als Kleinbauer in einer Agrarreformsiedlung arbeitet, hat er die folgende Idee mit dem Projekt-Team und uns entwickelt:
Das Goncalinho-Projekt wird Stadtteil-Garten.
Ein Hühnerstall mit 200 Hühnern plus Gemüseanbau auf dem Grundstück des Projekts sollen den Familien der Goncalinho-Kinder, aber auch der Nachbarschaft dabei helfen, die stark gestiegenen Lebensmittelpreise auszugleichen. Was es seit 20 Jahren nicht mehr gab, ist jetzt wieder Realität geworden, nämlich, dass es in Brasilien echten Hunger gibt. Die Idee des Gemeinschaftsgartens als Stadtviertelprojekt entstand auch daraus, dass der Lockdown (seit Mai sind in Cáceres die Schulen geschlossen) sowohl für die Erzieherinnen als auch für die Kinder eine Lähmung zur Folge hatte, die von den verheerenden Bränden um und in Cáceres verstärkt wurde: Man hatte das Gefühl, gar nichts mehr tun zu können, keine Handlungsmöglichkeiten angesichts einer sich stetig verschlimmernden Lage zu haben. In den Garten können (und müssen!) jetzt die Kinder mit ihren Eltern oder Geschwistern abwechselnd kommen und die Hühner versorgen, die Beete gießen etc., auch die Nachbar*innen werden in die Arbeit eingebunden, wenn sie das möchten. Die aktuelle Kinderhausleiterin Suellen hat für sich gesagt: „Ich bin so froh, dass wir endlich wieder etwas tun können, was Kontinuität hat und über die einzelnen Maßnahmen Warenkörbe an die Familien zu verteilen hinausgeht. Etwas mit Perspektive, woran sich die Kinder beteiligen können, selbst wenn sie nicht alle auf einmal im Projekt sein können. Die Bilder zeigen die Vorbereitungen: Der Kostenvoranschlag für das Hühner-Gehege, die Küken, die Setzlinge und Samen für die Gemüsebeete. In den nächsten zwei Wochen werden die jungen Leute von der Agrarkooperative ihre Tiere und Pflanzen – die wir aus den Mitteln der Förderpreise bezahlen – ins Goncalinho-Projekt bringen und beim Aufbauen helfen. Sie haben die Küken und das Saatgut bei den klein-bäuerlichen Familien in ihrem Dorf gekauft.
Drei Preise gewonnen:
Besonders freuen wir uns, dass wir beim entwicklungspolitischen Wettbewerb den ersten Platz belegt und damit 2000 Euro gewonnen haben. Letzten Donnerstag, 10.12.2020, war die feierliche Preisverleihung mit Bundesentwicklungsminister Gerd Müller und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Sie hätte eigentlich in Berlin stattgefunden, aber auch als Livestream-Veranstaltung war es beeindruckend. Unser Wettbewerbs-beitrag, mit dem wir teilgenommen haben, war der 20-minütige Film „Tomaten für Kinder statt Soja für Rinder“, den wir zum Thema Fleischkonsum und Sojaanbau aus dem Filmmaterial der letzten 10 Jahre Brasilienaustausch erstellt haben. (Der Film ist zu finden wenn ihr unten auf den "YouTube Button" klickt.) Der Förderpreis in Höhe von 10.000 Euro für „Maßnahmen um die Corona-Pandemie-Folgen auf das Leben unserer Partner*innen“ abzufedern wurde uns von der „Stiftung Entwicklungszusammenarbeit“ (SEZ) bewilligt, die das Projekt „bwirkt“ mithilfe von Mitteln des Landes Baden-Württemberg organisiert. In einem 17-seitigen Antrag haben wir unsere Projektidee dargestellt, die von der Jury als überzeugend beurteilt wurde.
Weitere 1500 Euro haben wir – mit Hilfe auch eurer Stimmen – beim Sparda-Schulwett-bewerb gewonnen, der am 3.12.2020 zu Ende ging. Danke für die Unterstützung!
Wasserversorgung im Chiquitano-Dorf Acorizal:

  • Wie in vielen Regionen der Welt führt auch in Mato Grosso der Klimawandel und die intensive, industriell betriebene Landwirtschaft zu Wasserknappheit. Unsere Partner*innen im bergigen Grenzgebiet zu Bolivien, die Indigenen vom Stamm der Chiquitanos, versorgen ihr Dorf seit langem mit sauberem Trinkwasser, indem sie Schläuche von den höhergelegenen Quellen zum Dorf legen. Durch das Gefälle wird das Wasser über 3 km in Zisternen transportiert. Solange es mehr als genug Wasser gab, war es kein Problem, dass die Schläuche alt und porös waren. Da jetzt aber immer weniger Wasser aus den Bergen kommt, war es dringend notwendig, die Schläuche zu erneuern um nichts von dem kostbaren Gut zu verlieren. Für 1000 Euro konnten sie neue Schläuche legen und auch einige Zisternen neu bauen. Diese sind wichtig, weil sie das Wasser für die Trockenzeit speichern und auch Regen auffangen. Um die Dringlichkeit unserer Unterstützung für die Chiquitanos zu verstehen, kann man sich z.B. auf der Website der „Gesellschaft für bedrohte Völker“ informieren.

27. Rundbrief  Juli 2020


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Liebe Unterstützer*innen des Goncalinho-Projekts!

Die letzten Monate waren geprägt durch die tiefen Einschnitte der Corona-Pandemie. Bei unseren Partner*innen im Goncalinhoprojekt kam das Virus später an als in Europa, aber dafür mit um so heftigeren Auswirkungen. Wir haben Ihnen und euch ja im Frühjahr schon zwei Sonderrundbriefe mit unseren Corona-Solidaritätsaktionen geschickt, die wir in diesem Brief nicht wiederholen, sondern ergänzen. Brasilien ist inzwischen das am zweitstärksten von Corona betroffene Land mit zwei Millionen Infizierten. Trotz des Lockdowns in Cáceres ist auch das Goncalinho-Team nicht tatenlos geblieben, sie haben sich mit Erfolg bei einem lokalen Ernährungssicherungsprojekt in Cáceres beworben. Sie bekamen die Produkte von regionalen Kleinbauern, um sie dann auf die Familien der Projektkinder aufzuteilen. Solche Aktionen ermöglichen es auch den Erzieher*innen, mit den Kindern in Kontakt zu bleiben und trotz Schul- und Projektschließung ein Auge darauf zu haben, ob es den Kindern gut geht und wie die familiäre Situation daheim ist. Wir freuen uns sehr, dass wir den drei jungen Erzieherinnen Suellen, Jackie und Drika (von denen eine neulich vermutlich Corona durchgemacht hat, aber ohne die Möglichkeit sich testen zu lassen) weiterhin einen sozialversicherungspflichtigen Mindestlohn zahlen können, mit Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und natürlich auch während des Lockdowns.
Wie wir schon erzählt haben, musste unser FSJ-ler Julian Ende April schweren Herzens sein Auslandsjahr abbrechen, weil wir es als Einsatzstelle nicht verantworten konnten, ihn in diesen Zeiten im Ausland zu lassen. Dafür hat er mit großem Engagement zuhause unglaublich viele Community-Masken genäht, die er u.a. über den Weltladen verkauft hat. Damit hat er die Mundschutz-Nähaktion der Brasilien-AG unterstützt, durch die schon mehrere Hundert Euro Erlös erwirtschaftet werden konnten. Auch in der Lokalzeitung wurde ausführlich darüber berichtet, welchem Spendenzweck der Mundschutz-Verkauf zugute kommt. Viele der Schüler*innen, die beim Nähen mitgemacht haben, waren damit einverstanden, mit ihrem Bild bei unserem Plakat „du geschützt – ich geschützt“ dabei zu sein, von dem jetzt 10 Stück im Schulgebäude verteilt hängen. Wir möchten damit auch einen Beitrag zur Akzeptanz der Masken bei den Schüler*innen leisten. Viele unserer Schüler*innen haben gesagt, dass sie es eigentlich sehr vernünftig und nachvollziehbar finden, in den engen  Gängen des Gebäudes andere durch das Tragen zu schützen, wollen damit aber nicht in der Minderheit sein. Die Hoffnung, die viele im Juni noch hatten, dass „Corona vorbei“ sei, scheint sich leider nicht zu bewahrheiten, und die Anzahl der Schüler*innen, die bereit sind, das Mundschutztragen als eine Geste der Solidarität mit gefährdeteren Menschen zu praktizieren, steigt sichtbar. 

Die Brasilien-AG stand die ganze Zeit über in engem Kontakt mit unseren Partner*innen und verfolgte die erschreckenden Entwicklungen dort. Es zeigte sich zunehmend: Das Virus bedroht alle mit der gleichen Krankheit, aber die Folgen sind nicht für alle gleich. Für die Hilfsorganisation medico international habe ich auf einer Kundgebung in Tübingen zu einem gerechteren Gesundheitssystem und besserer Entlohnung der Pflegekräfte einen Redebeitrag gehalten, um auf die Auswirkungen der Pandemie in Ländern des globalen Südens aufmerksam zu machen wie z.B. auf die Indigenen in Brasilien oder die Textilarbeiterinnen in Bangladesch.

Seit unserem letzten Rundbrief gab es – man hat es fast schon vergessen – noch eine kurze Phase von Normalität. Das viel bespielte Fußballfeld brauchte einen Neuanstrich, das während einer Übernachtungsaktion mit den Älteren der Goncalinhokinder entstanden ist. Bei Flutlicht Beleuchtung wird nach dem Abendessen noch Basketball gespielt. Tagsüber ist es häufig zu heiß für körperliche Arbeit ohne Schatten. Die regelmäßigen Ausflüge zu einem der verschiedenen Badeplätze in der Nähe sind deshalb für die Kinder immer Highlights. Mit etwas Glück können wir in den nächsten Monaten noch verstärkt unsere Corona- Aktionen fortsetzen, weil wir uns bei der „Stiftung Entwicklungszusammenarbeit“, die vom Land Baden-Württemberg unterstützt wird, um Fördermittel beworben haben, mithilfe derer die Folgen der Pandemie auf die Partner-organisationen von Nord-Süd-Partnerschaften bekämpft werden sollen. Unser nächstes Vorhaben ist eine Nothilfe-Aktion für die Chiquitanos, unsere indigenen Partner*innen im Dorf Acorizal. Sie haben uns geschrieben, dass sie ein akutes Wasserproblem haben, weil die Infrastruktur, die das Wasser von der Quelle ins Dorf leitet alt, porös und teilweise undicht sind und die Holzkonstruktion sehr labil ist. Sie soll durch eine gemauerte Konstruktion ersetzt werden. Gerne nehmen wir Spenden dafür unter dem Stichwort „Wasser“ an. 

Sonderrundbrief  April 2020 (Solidaritätsaktion II)

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Liebe Unterstützer*innen des Goncalinho-Projekts!

Im März haben wir Ihnen ja schon erklärt, warum wir in diesen Zeiten besondere Solidaritätsaktionen planen. Hier kommt nun die Fortsetzung. Danke auch für alle extra Spenden, die inzwischen auf unserem Konto eingegangen sind. 
1. Das Goncalinho-Projekt und die Produkte der Landlosenbewegung: Inzwischen ist die Aktion für die Familien der Goncalinho-Kinder angelaufen. Die Idee wurde vom Projekt-Team zusammen mit den Jugendlichen unseres Austauschs weiterentwickelt und sieht so aus: Zusammen mit den Erzieherinnen des Teams besuchen die jugendlichen Austauschteilnehmer*innen die Familien an der Haustür (natürlich mit Abstand) und führen eine Bedarfserhebung durch: Können bzw. müssen die Eltern noch arbeiten? Erhalten sie einen Lohn? Werden teure Medikamente benötigt? Können die nötigen Lebensmittel noch eingekauft werden? Gibt es gravierende Probleme im Familiensystem? Mit den Ergebnissen dieser Erhebung setzen sie sich zusammen und verteilt, zunächst auf dem Papier, die zur Verfügung stehenden Ressourcen – bis jetzt haben wir ein Minimum von 2000 Euro zugesagt, erhöhen das aber je nach Spendeneingang. Das Team zahlt jedoch den Familien kein Geld aus (leider sind viel zu viele der Eltern abhängig von verschiedenen Suchtmitteln), sondern liefert Warenkörbe, damit die Unterstützung auch wirklich bei den Kindern ankommt. Für den Lebensmitteleinkauf haben wir eine Zusammenarbeit mit der Kooperative der Landlosenbewegung MST beschlossen. Zu unserem Austauschprogramm gehörte ja schon seit der ersten Reise 2002 auch der mehrtägige Arbeitseinsatz in einer der Landreformsiedlungen der MST, so dass uns mit ihnen auch eine langjährige Partnerschaft verbindet. Die Rückmeldungen unserer Partner*innen von der MST sind aktuell, dass sie sich bisher gut schützen können, weil sie durch weitgehende Subsistenzwirtschaft wenig Berührungspunkte mit möglichen Infektionsorten haben. Ökonomisch geraten sie dennoch zunehmend in Not, weil es schwieriger wird, ihre Produkte zu verkaufen: Ein wichtiges Standbein war immer die jeweilige Schulmensa der umliegenden Schulen, die jetzt – wie bei uns momentan auch – geschlossen sind. Außerdem sinkt die Kaufkraft der bisherigen Abnehmer*innen auf den Dorfmärkten. Deshalb rannten wir mit der Idee, die Warenkörbe für die Familien mit ihren Waren zu befüllen, auf beiden Seiten offene Türen ein. 
2. Das Chiquitano-Dorf Acorizal: Die Soli-Aktion zugunsten des Indigenendorfes der Chiquitanos, von der wir im ersten Rundbrief geschrieben haben, ist vorläufig abgeschlossen. Mithilfe der Indigenenschutzbehörde FUNAI konnte der Kauf und Transport der Waren für 1000 Euro aus dem nächstliegenden Dorf (das ein paar Stunden entfernt liegt), organisiert werden, ohne dass sie ihre selbst verordnete Quarantäne durchbrechen mussten. Der „Caciqui“ Jose Arruda und Alexandra Leite, die in ihrer Dorf-Genossenschaft aktiv ist haben an alle Familien des Stammes Grundnahrungsmittel wie Mehl, Reis, Bohnen, Salz, Öl etc. verteilt. Alexandra hat uns geschrieben, dass diese Lieferung jetzt den Bedarf abdeckt, bis die Ernte dessen, was sie nach der Regenzeit gepflanzt haben, ansteht. 
Unsere nächsten Aktionen werden sein: a) die Arbeit der befreiungstheologischen Basisgemeinde „fé e vida“ von Padre Salomão und Vanda mit einer Spende zu unterstützen. In dieser Gemeinde am Stadtrand von Cáceres organisieren sich vor allem Menschen, die in der Umweltbewegung aktiv sind. Ihr Schwerpunkt ist der Kampf für sauberes (Trink-)Wasser und der Schutz des Rio Paraguay als Lebensgrundlage für die Fischer*innen, Kleinbauer*innen und indigenen Uferbewohner*innen. Sie machen mit dem selbstgebauten Hausboot der Gemeinde mit der Brasilien-AG 2021 eine mehrtägige Exkursion ins Herz des Naturschutzgebiets Pantanal. b) Auch an die Klinik in São Paulo, mit der unsere Partner*innen vom Gemeinschaftsgärten-Projekt „Cidades sem Fome“ zusammenarbeiten, werden wir nächste Woche eine größere Geldsumme für Gesichtsmasken und Schutzkleidung schicken. 

Sonderrundbrief  März 2020 (Solidaritätsaktion I)

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Liebe Unterstützer*innen des Goncalinho-Projekts!
ausnahmsweise erhalten Sie außer der Reihe einen Rundbrief. Aber zur Zeit geschieht ja sowieso das meiste außerhalb des Gewohnten. Auch wenn das Gonzalinhoprojekt ebenso geschlossen ist wie die Schulen, fließen unsere monatlichen Spenden selbstverständlich weiter, denn in einem Land mit fast nicht existierendem sozialen Netz schlägt die Krise natürlich mit spürbar weniger Abfederung zu als bei uns. Wie die meisten Ihnen wissen, sind wir ja über unseren Jugendaustausch nicht nur mit dem Kinderprojekt, sondern auch mit verschiedenen anderen Partner*innen verbunden. Heute haben wir 1000 Euro (5600 Reais) Spende an das Chiquitano-Dorf Acorizal gesendet, von dem Geld, das die aktuelle Brasilien AG über Catering-Aktionen für die Reise erwirtschaftet hatte, die nun leider auf nächstes Jahr verschoben ist. In den harten Zeiten, die jetzt kommen, soll das Geld nicht tatenlos auf dem Konto herumliegen, wenn es anderswo dringend gebraucht wird: Die Chiquitanos haben für ihr Dorf absolute Quarantäne beschlossen (auch wenn der Präsident Bolsonaro alles tut um die Corona-Schutz-Maßnahmen, die die Bevölkerung mit großer Mehrheit wünscht, zu diskreditieren und aufzuheben). Niemand kommt rein, niemand geht raus ("Ninguem entra, ninguem sai"). Sie werden im Dorf Acorizal mit ein paar Grundnahrungsmitteln autark sein, sobald die nächste Ernte der Pflanzen ansteht, die jetzt am Ende der Regenzeit gepflanzt worden sind. Das dauert aber noch 2-4 Monate. Das letzte Jahr war ungewöhnlich trocken, daher haben sie wenig Vorräte an Lebensmitteln. Zum Glück ist sauberes Trinkwasser kein Problem und auch der Fischfang ist ein wichtiger Faktor. Mit den 1000 Euro werden sie vor allem Medikamente und Lebensmittel für die Zeit bis zur Ernte kaufen. Die Dorfgemeinschaft hat eine Genossenschaft gegründet, um die Produkte zu verkaufen, die sie über den Eigenbedarf hinaus erwirtschaften, v.a. Lebensmittel und Kunsthandwerk. Der Vorstand wechselt alle zwei Jahre, aktuell ist es José Arruda Mendes. Er wird uns alle Belege der Einkäufe einscannen und die Abrechnung machen. Er hat uns erklärt, dass die FUNAI (die staatliche Indigenen- Schutzbehörde) den Transport der Waren ins Dorf übernehmen wird, so dass sie ihre selbstgewählte Quarantäne nicht durch die Einkäufe gefährden müssen. Wer die Chiquitanos noch nicht kennt und etwas über unsere Besuche bei ihnen erfahren möchte, kann sich unseren neuen 20- Minuten-Film mit dem Titel "Tomaten für Kinder statt Soja für Rinder" anschauen. Noch eine Information: Unseren aktuellen FSJ-ler Julian mussten wir schweren Herzens zurückholen, weil alle Auslandsjahr-Freiwilligen zurückreisen mussten. Er ist gut wieder in Metzingen angekommen, auch wenn er viel lieber das Jahr dort beendet hätte. Danke, Julian, dass du dich mit so großem Einsatz und Erfolg dafür eingesetzt hast, dass alle Kinder Judo-Anzüge bekommen! Eine ehemalige Freiwillige, die seit Februar in Cáceres ist, hat sich entschieden, trotz Covid 19 vorläufig dort zu bleiben. In den nächsten Wochen werden wir noch mehr Spenden nach Brasilien schicken. Vor allem sprechen wir mit den Erzieherinnen des Projekts, wie existenziell die Not in den Familien der Goncalinho-Kinder ist, haben aber auch die Situation unserer anderen Partner*innen im Blick: die Umweltschutzorganisation „fé e vida“, die MST, Cidades sem Fome, ...). Bevor wir jedoch blindlings Geld schicken, reden wir genau und ausführlich mit ihnen, wo es gebraucht und wofür es ausgegeben wird. Zum Beispiel arbeitet Hans Temp in Sao Paulo eng mit einer Klinik am Stadtrand zusammen, in der die meisten der Favela-Bewohner behandelt werden, die in den Gemeinschaftsgärten von Cidades sem Fome arbeiten. Dort werden vor allem Masken und Schutzkleidung benötigt. Wer Leute kennt, die in der aktuellen Situation diese Spenden mit eigenen Beträgen ergänzen möchten, kann gerne unsere u. g. Spendenkontonummer weitergeben. Was in den nächsten Wochen über die festen Daueraufträge hinaus auf dem Konto eingeht, wird direkt weiter überwiesen. Es kann auch mit einem bestimmten Stichwort zweckgebunden gespendet werden. Falls es jemanden interessiert, wieviel Prozent Transfer-Gebühren dabei anfallen: Bei einer Überweisung von 1000 Euro zahlen wir 13 Euro Gebühr. Der momentane Kurs ist in diese Richtung ungewöhnlich "gut", das heißt, die 5600 Reais, die dort ankommen, sind sehr viel Geld. 

26. Rundbrief  Dezember 2019 

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Liebe Unterstützer*innen des Goncalinho-Projekts!
In der Adventszeit beginnen die Familien sich zu überlegen, was es als Weihnachtsessen geben soll. Das ist in Brasilien nicht anders als hier, nur ist es ökonomisch schwieriger geworden, die Ideen umzusetzen, denn mit der Bolsonaro-Regierung ist die soziale Lage noch angespannter geworden und die Arbeitslosigkeit in Cáceres gestiegen. Suellen, die Kinderhaus-Leiterin, hatte die gute Idee, sich auf ein Nichtregierungsprogramm zu bewerben, bei dem Weihnachtshühnchen an bedürftige Familien verschenkt werden, die in gemeinnützigen Organisationen sind. Unser Metzinger FSJler, der seit August im Goncalinhoprojekt arbeitet, hat beim Verteilen geholfen und die strahlenden Gesichter fotografiert.
Auch beim Judo – die große Leidenschaft der Kinder, seit wir die Matten und Anzüge anschaffen konnten – wächst der brasilianische Anteil an der Finanzierung: mithilfe lokaler Sponsor*innen konnten mehr Judoanzüge für die Kinder gekauft werden, der Trainer leistet seine Arbeit weiterhin als ehrenamtliches Engagement und die Goncalinho-kinder durften bei einem großen Event auf dem Kathedralenplatz im Stadtzentrum ihre Künste mit den anderen Judokas messen.
Zusätzlich zu unserem FSJler Julian, war uns auch Jennifer eine große Hilfe, eine junge Reutlingerin mit brasilianischen Wurzeln, die für ein paar Wochen den Projektalltag mit den Kindern geteilt, mit Julian portugiesisch gelernt und mit dem Team Ausflüge organisiert hat, die nur mit mehr Aufsichtspersonen möglich sind.
Außer dem Schwerpunkt Judo waren die Fahrradtouren und – wie die Bilder zeigen – ein Ausflug zu einem natürlichen Badeort mit Quellwasser die Highlights im Herbstsemester.
Eine besondere Herausforderung stellt die Arbeit mit den Jugendlichen (vor allem Jun-gen, aber auch ein paar wenige Mädchen) in der Nachmittagsgruppe dar, die keine Kinder mehr sind, aber trotzdem noch so sehr am Projekt hängen, dass sie es nicht verlassen wollen. Die Betreuer*innen, die diese seit ihrer frühen Kindheit begleitet haben, ihre Entwicklung mitgeprägt haben, ihr Elternhaus und ihre persönlichen Probleme kennen, sind für sie wichtige Bezugspersonen. Oft sind diese jungen Menschen zerrissen zwischen dem coolen Macho-Gehabe einerseits, das sie für ihre „street credibility“ im Stadtviertel brauchen und dem inneren Kind andererseits, das sie dann in manchen Momenten dazu bringt, mit großer Hingabe Lego-Duplo Autos zu bauen, die sie völlig selbstvergessen übers Fußballfeld ziehen. Diese Jugendlichen nicht an das Leben in den Gangs zu verlieren, ist auch ein Anliegen des Projekts. Denn sobald sie durch das Tor gehen, gelten nicht mehr die Regeln von Solidarität und Rücksichtnahme, die sie hier drinnen gelernt haben, sondern das Recht des*r Stärkeren, welches das Gesetz der Straße ist.

Ausflug zum Semesterabschluss

Die Kinder der Nachmittagsgruppe

Das Team: Adriellen, Suellen, Lorival (ehemaliges Goncalinho-Kind arbeitet nun aktiv mit) und Jackeline

Judotreffen im Stadtzentrum

25. Rundbrief  Juli 2019 

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Liebe Unterstützer*innen des Goncalinho-Projekts!

Der Besuch unserer brasilianischen Partner-Jugendlichen im Winter ist mit vielen tiefen Emotionen und Erkenntnissen gut über die Bühne gegangen. Über die Bühne auch wörtlich gemeint, denn unsere Gäste haben uns an einem Abend beeindruckend von ihrem Land, ihrem Leben und ihrem Engagement in den verschiedenen Organisationen, die sie vertreten, erzählt. 
Danke auch für Ihre und eure Winterklamotten-Spenden, mithilfe derer wir die Alpen-Schneeschuh-Exkursion gut ausgerüstet mit der ganzen Gruppe machen konnten. Drei Tage auf der Berghütte im Schnee, fünf Tage deutsche Geschichte und Politik in Berlin und viel Begegnungsprogramm in der Umgebung von Metzingen, boten nicht nur den Brasilianer*innen, die zum Großteil noch nie die Grenze ihres Bundeslandes überschritten hatten, einen Blick über den Tellerrand, sondern auch den Metzinger Schüler*innen.
Der ProGo-Verein der ehemaligen FSJler*innen hat nach dem Weihnachtsmarktstand jetzt den nächsten Großeinsatz bewältigt: 300 selbstgemachte brasilianische Pasteis, die die Schüler*innen unserer aktuellen Brasilien-AG dann beim Sommerkonzert unserer Schule verkauften. Der Erlös ermöglicht den brasilianischen Betreuer*innen im Projekt pädagogische Fortbildungen, die wir uns schon lange für sie gewünscht hatten.

Und was gibt es Neues aus dem Projektalltag? Im letzten Rundbrief konnten Sie/ konntet ihr schon einen Bericht aus dem Tagebuch unserer FSJlerin Charlotte lesen, hier folgen noch weitere Auszüge über ihre Erfahrungen mit der Arbeit im Projekt: mit der Arbeit im Projekt: „Diesen April hatten wir aufregenden Besuch im Projeto Gonzalinho. Drei Vertreterinnen von der Charity Organisation ‚Casa de Amizade‘ schleppten eine Kiste voll Kinder und Jugendbücher an. Teil der Arbeit dieser Organisation ist, den Kindern in und um Cáceres den Spaß am Lesen näher zu bringen und damit gleichzeitig Werte zu vermitteln. Das spiegelte sich in den Büchern sehr gut wieder, spielerisch veranschau-lichen sie verschiedenste Themenbereiche, die in der Entwicklung der Kids eine wichtige Rolle spielen. Wir durften die Bücher für einen gesamten Monat bei uns behalten und zum Abschluss gab es samstags ein Zusammentreffen um der Organisation und den Eltern der Kinder zu präsentieren, was wir in diesem Monat gelernt hatten. Nach Brasilien kommend, erwartete ich vom Gonzalinho Projekt und ebenfalls von mir Großartiges. Täglich aufregende Aktivitäten, Ausflüge und Bildungschancen für die Kinder. Etwas ernüchtert war ich schon, als ich dann bemerkte, dass die Realität viel weniger aufregend aussah. Viele Tage verbrachten wir mit Kartenspielen und auf dem Fußballfeld. Natürlich gab es eben auch diese Tage, an denen man sich ausgiebig mit wichtigen Themen auseinandersetzte, den Kindern eine Lehre erteilte oder den gesamten Tag in eine Aktivität verwickelt war, sodass wir und die Kinder, am Ende des Tages, am liebsten noch ein paar Stunden länger geblieben wären. Das waren wunderbare Tage, die uns allen in lebhafter Erinnerung bleiben werden. Doch ich lernte, dass das Wichtigste am Projekt nicht das Großartige ist oder das Außergewöhnliche, sondern das Alltägliche. Dass die Kinder seit vielen Jahren, Tag ein Tag aus an einen Ort kommen, an ein zweites Zuhause, mit bekannten Gesichtern, denen sie vertrauen können, bei denen sie sich aufgehoben fühlen, in jeglicher Situation. An einen Ort, an dem Freundschaft und Zuneigung an erster Stelle steht, ob die Kinder schlecht in der Schule sind oder schwierige Familiensituationen haben, ob groß oder klein, ob sie lieber mit Lego spielen oder draußen wild einem Ball hinterherrennen. Das Projekt ist ein Zuhause und eine kleine Gemeinde, in der wir mit Geduld den Kindern beim Heranwachsen zuschauen und helfen.“
Das Highlight des Jahres – dem aber auch eine geduldige und kontinuierliche Arbeit im Alltag vorausgegangen ist – war sicher der Judo-Wettkampf, an dem die Gonzalinho-Kinder teilgenommen haben. Ehrenamtlich hat ein Judo-Meister sie seit letztem Jahr ein Mal pro Woche trainiert, die Matten und Anzüge haben wir über einen Zuschuss der Stiftung „children for a better world“ kaufen können. Allein schon die Tatsache, dass die Kinder sehen, sie sind wichtig genug, dass Judo-Profis sie in ihrem Projekt besuchen und mit ihnen diesen Wettkampf durchführen, bedeutet ihnen sehr viel, weil es eine Wertschätzung zeigt, die für Kinder ihres Viertels und ihres Milieus keine selbstverständliche Erfahrung ist. Sie sind es gewohnt, dass für ihre Bedürfnisse, ihre Bildung, ihren Sport und ihre Gesundheit im Regelfall kein Geld da ist und wenig ausgebildetes Personal, das sich auch noch mit Hingabe auf sie einlässt.

Frühere Spendenrundbriefe als PDF

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27. Rundbrief                             Juli 2020

Sonderrundbrief  (Solidaritätsaktion II)                April 2020

Sonderrundbrief  (Solidaritätsaktion I)                März 2020

26. Rundbrief              Dezember  2019

25. Rundbrief                             Juli 2019

24. Rundbrief               Dezember 2018

23. Rundbrief                             Juli 2018

22. Rundbrief                      Winter 2017

21. Rundbrief                            Juni 2017

20. Rundbrief                      Winter 2016

19. Rundbrief                             Juli 2016

18. Rundbrief               Dezember 2015

17. Rundbrief                             Juli 2015

16. Rundbrief               Dezember 2014

15. Rundbrief                             Juli 2014

14. Rundbrief               Dezember 2013

13. Rundbrief                            Juni 2013

12. Rundbrief               Dezember 2012

11. Rundbrief                            Juni 2012

10. Rundbrief                Dezember 2011


Neu im Projekt: Judo 

Seit März 2018 gibt es jeden Dienstag Judo Unterricht im Projekt. 

Hierfür haben wir Unterstützung vom Verein „Children for a better world“  bekommen, um das Material anzuschaffen. 

Austausch im vergangenen Winter

Die Projektkinder erarbeiten Alltagsregeln für das Projekt

Judotraining im Projekt

Ihr wollt uns unterstützen?

Spenden-Konto Kreissparkasse Reutlingen:

Brasilienprojekt St.Bonifatius / Katja Polnik
IBAN: DE89 6405 0000 0000 9490 99

BIC: SOLADES1REU