Jugendaustausch im Sommer 2022 in Cáceres
In diesen Sommerferien fand die achte Brasilienreise unserer Brasilien-AG statt. Wir waren beglückt, die Coronazeit-Errungenschaften im Projekt nun endlich selber zu sehen. Stolz haben uns die Kinder die Hühner und die Fortschritte im Gemeinschaftsgarten gezeigt. Wir haben den neuen Brunnen und die Bewässerungsanlage bewundert. Gleich am zweiten Tag durften wir dabei sein, als der Agrarwissenschaftsprofessor Willian den Kindern (und den deutschen Jugendlichen) erklärt hat, warum und wie Unkraut gejätet und die Erde umgegraben wird. Beides haben wir mit den Kindern zusammen gemacht. Das Einsäen der neuen Samen war dann die Aufgabe für die kleineren Kinder, während sich die Größeren – zusammen mit uns – eine Lösung für das Sonnenschutznetz des Gartens überlegen sollten, das von einem Maracujabusch überwuchert und wegen der vielen Früchte inzwischen zu schwer geworden war. Wir haben das Netz in der Mitte durchgeschnitten einen Großteil der Maracujas geerntet und den Sonnenschutz dann wieder zusammengenäht.
Im Laufe des Austauschs gab es viele weitere Aktivitäten, die für die Gonzalinhokinder etwas Besonderes und für die Brasilien-AG eine Herausforderung waren: In Kleingruppen wurde gepuzzelt, wurden Briefe der Schulklassen aus Metzingen übersetzt und Antworten geschrieben, wurden Schäden im Dach und im Fliesenboden ausgebessert, Drachen steigen gelassen und gemeinsam Essen gekocht. Wir haben Frisbee und Volleyball gespielt, an den Judo-Kursen teilgenommen, den Hühnerstall geputzt und mit Wasserfarben, die wir aus Metzingen mitgebracht haben, schöne Aquarell-Bilder gemalt.
Zwei Höhepunkte sind unbedingt zu erwähnen: Ein Kajak-Ausflug mit allen älteren Jugendlichen des Projekts – für sie das ersten Mal, dass sie ein Stück den Rio Paraguay hinauffahren konnten – und der Rathausbesuch einer Projekt-Delegation. Mit den deutschen Jugendlichen, ein paar ehemaligen Gonzalinhokindern, zwei Müttern und dem brasilianischen Team haben wir uns mit der Bürgermeisterin und einigen Verantwortungsträgern aus dem Bereich Soziales getroffen um über Möglichkeiten zu sprechen, die die Kommunalverwaltung das Gonzalinhoprojekt langfristig unterstützen kann. Unser Ziel ist es, die Abhängigkeit von den Spendengeldern aus Deutschland etwas zu verringern, nicht zuletzt, weil die Lebenshaltungskosten in Brasilien und die Ausgaben für den Erhalt des Hauses so gestiegen sind, dass mit unseren Spendeneinnahmen alleine der Bedarf auf Dauer nicht gedeckt werden kann. Gemeinsam haben wir für das Projekt einen Mitgliedsantrag im „Sozialrat“ des Landkreises gestellt, der bewilligt wurde. Das ist eine der Voraussetzungen, um Gelder in Brasilien zu beantragen.
Eine weitere für die Zukunft wichtige Aufgabe liegt darin, die Achtzehn-/ Neunzehnjährigen, die als Kinder im Projekt großgeworden sind, „bei der Stange zu halten“ und sie zu befähigen, immer mehr Verantwortung zu übernehmen. Schon jetzt organisieren sie einen Teil des Projektalltags und perspektivisch könnten manche von ihnen in die Fußstapfen der jetzigen Erzieherinnen treten. Um sie in den Austausch einzubinden und als Belohnung für ihre Arbeit durften sie an unserer dreitägigen Hausboots-Exkursion ins Pantanal teilnehmen. Zusammen mit der Brasilien-AG haben sie Karten gespielt und gesungen, aber auch ihr Wissen über das Ökosystem dieses weltgrößten Süßwasser-Sumpfgebiets und seine Bedrohungen erweitert. Für junge Leute aus dem Stadtteil Cavalhada, in dem das Projekt liegt, ist es nicht leicht, sich für einen Weg jenseits von Kriminalität, Drogengeschäften und Bandenzugehörigkeit zu wählen. Ein Entkommen aus diesen Milieus ist sehr schwer, wie uns die Jugendlichen der Nachmittagsgruppe anschaulich erzählen. Viele haben Freunde, die schon mal im Gefängnis waren und können von Gleichaltrigen erzählen, die auf die schiefe Bahn geraten sind. Die Erzieherinnen kämpfen um jeden Einzelnen von ihnen und geben ihn auch nicht auf, wenn er schon einen Gefängnisaufenthalt hinter sich hat.
Um so wichtiger ist es, dass es jetzt auch für die Großen attraktive Angebote wie Judo gibt. Hier können sie – im Unterschied zu dem Verhalten, das ihnen die Banden auf der Straße bieten – nach Regeln und mit Grenzen ihre Kräfte messen und einen respektvollen Umgang miteinander lernen. Nach einer Runde gibt man sich gegenseitig die Hand und dankt für den fairen Kampf mit einer Verbeugung. Im Juni konnten einige Gonçalinhokinder an Judowettkämpfen auf Landesebene in der Landeshauptstadt Cuiabá teilnehmen und der vierzehnjährige Dudu hat den ersten Platz belegt, so dass er im November in Rio de Janeiro auf Bundesebene antreten durfte. Für seine Reise hat das Gonçalinho-Team erfolgreich Geld gesammelt und wir haben die blauen Wettkampf-Kimonos spendiert. Die zwei Judo-Gruppen haben ihm entsprechend einen feierlich-fröhlichen Empfang bereitet, als er nach einem erfolgreichen Wettkampf zurückkam (Foto unten).
Unser Judolehrer Nando, der ihn nach Rio begleitet hat, sagt über diese Chance:
„Es war bewegend, dass eines unserer Gonçalinho-Kinder, das ich selber in den letzten Jahren trainiert habe, auf Bundesebene am Wettkampf teilnehmen durfte. Es war eine Ehre, dass er die Stadt Cáceres und eigentlich unser Startviertel vertreten hat. Kaum ein Kind aus seinen sozialen Verhältnissen bekommt diese Gelegenheit, die ihm das Gonçalinhoprojekt gegeben hat.“
Die Umweltgruppen aus Cáceres haben den 14. November seit Jahren zum Tag des Rio Paraguay gemacht. Viele verschiedene Akteure der Umweltbewegung organisieren an diesem Tag Aktionen gegen die Wasserverschmutzung durch Pestizide auf den Sojaplantagen und die Schiffbarmachung für die Soja-Containerschiffe. Beides bedroht das labile Gleichgewicht des Ökosystems Pananal. Die Erzieherinnen haben zusammen mit Micha und Matheus den 14. November mit den Kindern eine Woche lang thematisiert, und ihnen Wissen über ihre Region vermittelt, zum Beispiel, warum es für die spezifische Pantanal-Flora notwendig ist, drei Monate lang unter Wasser zu stehen und neun Monate lang Trockenheit aushalten zu können. Diese und viele weitere Plakate haben die Kinder dazu gemalt.
20 Jahre Jugendaustausch Metzingen – Mato Grosso
Im Jahr 2002, vor zwanzig Jahren, ist die erste Metzinger Brasilien-AG nach Cáceres in Mato Grosso/ Brasilien geflogen. Daraus entstand die Partnerschaft mit dem Gonzalinhoprojekt, die seitdem als Kooperation der Bonifatiusgemeinde mit dem Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium Metzingen besteht. 14 Jugendaustauschbesuche haben bisher stattgefunden, sieben fünfwöchige Reisen nach Cáceres und sieben Gegenbesuche der brasilianischen Jugendlichen bei uns in Metzinger Gastfamilien. Nach zwei Jahren coronabedingter Wartezeit kann nun endlich – am 20.Juli – die aktuelle Brasilien-AG ihre Reise antreten. Die Jugendlichen, die sich seit fünf Jahren auf dieses Abenteuer vorbereitet haben, haben viel Geduld bewiesen, als die Reise von Jahr zu Jahr verschoben werden musste, weil die Pandemie besonders in Brasilien heftig gewütet hat und an einen Besuch nicht zu denken war. Umso mehr freuen sie sich jetzt darauf, dass es endlich losgeht.
Ein Schwerpunkt dieser Jugendbegegnungsfahrt wird selbstverständlich die Mitarbeit in unserem Partnerprojekt, dem Kinderprojekt „Gonzalinho“ sein. Die Brasilien-AG wird mit den Projekt-Kindern zusammen den Gemeinschaftsgarten bewirtschaften, die Hühner versorgen, Schäden am Haus reparieren, die durch die Überschwemmung in der letzten Regenzeit entstanden sind, mit den Kindern spielen und auch deren Familien und ihren Lebensalltag kennenlernen. Außerdem steht eine mehrtägige ökologische Bootsexkursion ins weltgrößte Sumpfgebiet Pantanal auf dem Programm, während der in Hängematten bei Fischern übernachtet wird, die am Ufer des Rio Paraguay in kleinen, nur auf dem Wasserweg zugänglichen Siedlungen leben. Einige Tage arbeiten die Jugendlichen auf Bauernhöfen in einer Agrarreformsiedlung mit, um dort die Subsistenzlandwirtschaft der Familienbetriebe kennen zu lernen. Diese stellen ein Gegenmodell zur Agrarindustrie dar, die gerade in Brasilien mit ihren Monokulturen die Wirtschaft prägt. In einem Indigenen-Dorf an der bolivianischen Grenze werden sie dann am Ende der Reise mehrere Tage mit den brasilianischen Ureinwohnern vom Stamm der Chiquitanos zusammenleben, die heutzutage immer noch – und unter der Regierung Bolsonaro wieder verstärkt – um Land und Lebensgrundlagen kämpfen müssen.
Gerne werden vor dem 20. Juli gut erhaltene Smartphones (mit Ladekabel), schöne Kleidung, Medikamente und hochwertiges, aber kleines Spielzeug zum Mitnehmen entgegen genommen. Bitte geben Sie die Spenden in der Schule im Lehrerzimmer 3 für Frau Polnik oder Frau Schröders ab. Das Projekt-Team freut sich auch über einen finanziellen Beitrag, mit dem das Engagement der Schüler unterstützt werden kann, zum Beispiel um Bau- und Bastelmaterial für das Gonzalinhoprojekt zu kaufen. Die Kontonummer des Spendenkontos ist: DE89 6405 0000 0000 9490 99, Brasilienprojekt St. Bonifatius, bei der KSK Reutlingen. Die Spenden sind steuerabzugsfähig.
Die brasilianischen Teilnehmenden engagieren sich in verschiedenen
sozialen und politischen Organisationen
Mit Gabriel (l) und Lorival (r) waren 2019 zwei ehemalige "Gonçalinho-Kinder" beim Austausch dabei. Hier berichteten sie von aktuellen Entwicklungen im Projekt.
Abschlussbericht zur brasilianisch-deutschen Jugendbegegnung in Metzingen vom 19.1.-11.2.2019
Das inhaltliche Programm des Jugendaustauschs begann mit einer historischen Stadt-führung in Metzingen, die den Schwerpunkt darauf legte, wie sich die Stadtentwicklung in Bezug setzen lässt zu den jeweiligen Existenz- und Wirtschaftsformen der Bewohnenden: Die sieben Keltern auf dem Marktplatz zeugen zum Beispiel davon, dass der Großteil der agrarisch wirtschaftenden Bevölkerung im Mittelalter vom Weinbau lebte und die Kapazität der Keltern jedes Jahr erweitert werden musste. Im Weinbaumuseum erfuhren und sahen wir, wie (technisch und sozioökonomisch) die genossenschaftliche Produktion über Jahrhunderte organisiert war. Weitere Schwerpunkte waren die Industrialisierung, die sich heute noch in der Ruine einer Textilfabriken und den Resten der Arbeiterviertel zeigen, natürlich aber auch an der auf Hochglanz polierten Innenstadt der „Outlet-City“ Metzingen.
Die Unterschiede ...
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Zeitungsartikel
11.02.2019 Zum Abschied Rhythmus, Tanz und Lebensfreude -
Zum siebten Mal waren brasilianische Jugendliche zu Gast am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium
GEA/ Mara Sander
28.01.2019 Austausch: Brasilien aus erster Hand
Reger Austausch zwischen Metzinger Gruppen und der brasilianischen Stadt Cáceres
GEA/ Till Börner
Die Vertreter*Innen des Chiquitano-Stammes mit ihrer Gastschwester Leni: Marco(l), Jozair(r) und Andreia(hinten)
Geschichtsunterricht: Was haben Bolsonaro und Hitler gemeinsam?
Bildervortrag
Moritz und Jean (im Bild) haben den Bildervortrag musikalisch umrahmt
Eindrücke BerlinsSprachbarrieren
die Wagenburg - alternativ Wohnen
Mitglieder des ProGo e.V. feiern mit Sanzio - dem Koordinator des Jugendaustauschs auf dem Schulball des DBG
Beim Tischkicker-Turnier im Kleinen Bol in Reutlingen
Sprachbarrieren werden künstlerisch überwunden
historische Stadtführung in Metzingen
Begrüßung am Stuttgarter Flughafen
Berichte, Zeitungsartikel, Videos
2020-22 Die Partnerschaft während der Pandemie
2019 in Metzingen
2017 in Cáceres
2016 in Metzingen
2014 in Cáceres
2013 in Metzingen
2010 in Cáceres
2008 in Cáceres
2017 in Cáceres
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2016 in Metzingen
2014 in Cáceres
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Brasilienprojekt St.Bonifatius / Katja Polnik
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